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06.15
18:10

EU Schweinepreisvergleiche - Ursachenanalyse

Vergleich der Schweinepreise in ausgewählten EU-Mitgliedstaaten

Im gemeinsamen Binnenmarkt der EU werden Schweine grundsätzlich nach einheitlichen Regeln gehandelt. Dennoch kommen dabei je nach den Verhältnissen im Mitgliedsland ganz unterschiedliche Schweinepreise heraus.

Zunächst werden Abrechnungsmodalitäten und Klassifizierungsverfahren in den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt. Um die Preise vergleichen zu können, sind Korrekturen anzubringen, die nach dem bewährten ISN-Muster  durchgeführt werden. Auch wenn die letzten Feinheiten an solchen Korrekturen noch fehlen, erlauben die Ergebnisse immerhin eine grundlegende  Orientierung.  

Die unterschiedlichen Preise in den bedeutenden Erzeugergebieten sind weitgehend das Ergebnis der länderspezifischen Gegebenheiten.

Spanien als zweitgrößtes Erzeugungsgebiet mit einem Selbstversorgungsgrad von über 100 % müßte als Überschußgebiet eigentlich die niedrigsten Preise aufweisen. Das ist in der Sommerphase jedoch nicht der Fall, weil ca. 5 Mio. Urlauber dazu beitragen, dass der Fleischabsatz in der Urlaubsperiode überdurchschnittlich verläuft. In der Winterperiode hat Spanien jedes Jahr das Problem, Schweinefleisch mit Hilfe von Exporten abzusetzen. Im Winter liegen die spanischen Kurse immer unter dem Niveau der übrigen Länder. Es sollte auch der Hinweis nicht fehlen, dass die Futtermittelpreise in Spanien aufgrund des hohen Importbedarfs um 20 % höher ausfallen.

Frankreichs Schweinepreise rangieren an 2. Stelle. Das Land erreicht nur knapp die  Selbstversorgungsmarke von 100 %. Vergleichsweise kleinbetriebliche Strukturen in der Bretagne mit der der höchsten Schweinedichte in Frankreich erfordern ein höheres Preisniveau. Die französischen Importe aus anderen Ländern sind wenig ausgebaut.

Dänemark hat einen Selbstversorgungsgrad von rd. 650 %. Im Prinzip  beherrscht dort nur ein Schlachtunternehmen den gesamten Markt. Die dänischen Preise liegen dennoch regelmäßig im oberen Mittelfeld.  Die schlagkräftige Auslandsvermarktung der dänischen Schweinefleischwirtschaft gleicht die hohen Transportkosten aus dem randständigen Gebiet  in den EU-Binnenmarkt und in Drittländer zu einem erheblichen Teil aus. Allerdings bekommt Dänemark regelmäßig dann Schwierigkeiten, seine Position zu halten, wenn der Drittlandexport stockt. Das ist zurzeit durch das Russische Importverbot  der Fall. Dennoch kann sich Dänemark auf erstaunlich hohem Niveau  halten.

Deutschland ist mit einem Selbstversorgungsgrad von knapp 110 % auf den Export angewiesen. Das Problem der Russlandsperre trifft hier ebenfalls zu. Die typische Lage Deutschlands mitten in Europa und umgeben von exportorientierten Nachbarn führte dazu, dass ein harter Wettbewerb in einem kaufkräftigen Land besteht. Die im Inland wirtschaftenden Fleisch-verarbeitenden Unternehmen können sofort mit Billigangeboten aus Dänemark, Holland und Belgien unterlaufen werden. Andererseits haben sich in Deutschland einige wenige schlagkräftige Unternehmen herausgebildet, die in der Lage sind, das nicht einfache Geschäft des Exportes nach Italien, in die mittel- und osteuropäischen Länder sowie in die weltweiten Drittlandregionen zu organisieren.

Deutsche Schweinepreise sind im Regelfall tonangebend für die übrigen Gebiete. Allerdings zeigen die aktuellen Entwicklungen, das einer ungezügelten Preisbildung Grenzen gesetzt sind. Das ist immer dann der Fall, wenn neben Verkaufsschwierigkeiten im  Export noch  Absatzprobleme beim Inlandsgeschäft auftreten.

Die niedrigen Schweinepreise in den Niederlanden hängen mit der hohen Überschusslage, der Exportnotwendigkeit bei einer begrenzt leistungsfähigen Schlachtbranche unter  hohen Umweltauflagen zusammen. Ähnlich schwierige Verhältnisse sind in Belgien anzutreffen.

Hohe Schweinepreise in Italien sind dem fallenden Selbstversorgungsgrad deutlich unter 70 % zu verdanken. In der Urlaubssaison kommt der Ausländereffekt regelmäßig oben drauf.

Der ersatzlos ausgefallene Russlandexport wird auf mittlere Sicht zu einem Anpassungsprozess führen, bei dem sich die wettbewerbsfähigeren Standorte durchsetzen werden. Dabei spielen die Kriterien von Verbraucher- Tier- und Umweltschutz eine maßgebliche Rolle. Wer die Bedingungen in dieser Hinsicht  wirtschaftlich am günstigsten erfüllen kann, dürfte zu den Gewinnern zählen.   

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