28.
02.14
17:24

Importsperre - weniger ein Seuchenproblem als ein wirtschaftliches und politisches Problem

Russlands Importsperre gegenüber der EU – politische Verknüpfung mit dem  zukünftigen Einfluss in der Ukraine?  - Verhandlungspositionen!

Russlands Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch betrug im Jahre 2013  rd. 69 %. Neben einer Eigenerzeugung von 2,2 Mio. t beziffert sich der Import auf  die Größenordnung  von rd. 995.500 t.

Davon haben die Lieferungen aus der EU mit 744.000 t bzw. zu 75 % beigetragen. Brasilien als 2.-größter Importeur Russlands hat nur 125.000 t  bzw. 12,5 % geliefert. Während die USA wegen der Ractopamin-Problematik so gut wie nicht als Importeure aufgetreten sind, hat sich Kanada einen beachtlichen Teil von immerhin 85.000 t gesichert. Selbst Chile tritt mit kleinen Mengen auf dem russischen Markt in Erscheinung.

Ein kompletter Ausfall der EU-Importe würde in Russland ein beachtliches Versorgungsproblem auslösen. Erhitzte Ware ist allerdings vom Einfuhrverbot ausgenommen, weil durch die hohen Temperaturen das Schweinepestvirus abgetötet wird. Das Virus überlebt jedoch in Frischfleisch, gekühlten und gefrorenen Fleischpartien.

Der überwiegende Teil der Einfuhren bestehen aus Speckteilen, die in der Verarbeitung zu Wurstwaren  u. ä. gebraucht wird. Langandauernde Ausfälle von Schweineteilen dieser Art wurden zu erheblichen Engpässen in der Versorgung mit Verarbeitungsware beitragen. Schon jetzt sind diese Teilstücke Mangelware und werden teuer bezahlt. Das wird sich in hohen Verbraucherpreisen niederschlagen, eine Entwicklung, die in dieser Dimension nicht erwünscht ist.

Daher werden Ersatzlieferungen dringend gesucht. Brasilien soll in absehbarer Zeit größere Mengen an Speckteilen liefern. Ebenso werden die Kontakte zu den US-Exporteuren aufgenommen, um kurzfristig größere Mengen zur Verfügung zu haben.

Offensichtlich spielen angesichts der Versorgungsprobleme Bedenken wegen des tödlichen Ferkelseuchenvirus PED in den USA und Kanada keine Rolle. Die epidemieartige Ausbreitung der PED in den USA hätte russische Veterinärbehörden eigentlich zur Vorsicht raten sollen.  Auch Brasilien ist nicht frei von MKS.  Aber …

Neben den protektionistischen wirtschatlichen Interessen  ist das Importverbot längst vermischt mit dem politischen Tagesgeschäft des Tauziehens um die zukünftigen politischen Beziehungen und Bindungen der Ukraine zu Russland oder der EU. Man benutzt die Gelegenheit zu den üblichen politischen Ränkespielen, Verhandlungspositionen aufzubauen.

Diese unselige Verknüpfung sachfremder Argumente macht die weitere Entwicklung unüberschaubar. Eine Stabilisierung der Verhältnisse in der Ukraine ist auf absehbare Zeit nicht erkennbar, die Ausrottung der Afrikanischen Schweinepest ebenso wenig.

Denkbar sind bilaterale Lösungen mit Dänemark und den Niederlanden, die hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Seuchen das Potenzial hätten, einen beachtlichen Teil des Importbedarf Russlands zu decken. Die Rolle Deutschlands ist schwierig wegen seiner Grenzlage zum polnischen Infektionsgebiet.

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