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08.14
11:44

Russlands Einfuhrbeschränkungen bei Agrarprodukten

Putin schlägt zurück – inwieweit können Politikentscheidungen den internationalen Agrarmarkt 2014/15 durcheinander bringen?

Der russische Premierminister hat einen Gesetzestext unterschrieben, dass den Import von Agrarprodukten aus all den Ländern verhindert, die sich an den westlichen Sanktionen gegenüber Russland beteiligen. Dazu gehören an vorderster Stelle die USA und die EU, aber auch Australien, Kanada und Norwegen.

Allerdings ist die konkrete Ausgestaltung der Verbote  hinsichtlich Menge, Qualität und Zeitdauer noch nicht veröffentlicht worden. Dennoch ist in Umrissen erkennbar, welche Länder mit welchen Produkten in welchem möglichen Umfange  betroffen sein werden.

(1)  Die russische Importsperre für EU-Schweinefleisch wird fortgeschrieben. Das bedeutet nach letzten Zahlen 2013 rd. 750.000 t Ausfuhrverlust je Jahr. Dem stehen Exportsteigerungen in andere Länder gegenüber, die nach vorsichtigen Schätzungen auf  230.000 t beziffert werden können. In den ersten 5 Monaten 2014 ist der Schweinefleischexport nach Russland um -82 % eingebrochen. Der Importstopp ist nicht neu, monatelange Erfahrungen liegen bereits vor. Das EU-Angebot an Schweinen ist jedoch rückläufig. Die Fortsetzung des russischen Importstopps verhindert höchste Schweinepreise oberhalb von 1,70 € /kg. Fallende Futtermittelpreise fangen einen Teil der Mindererlöse wieder ab. Auch die USA und Kanada sind von der Sperre betroffen, allerdings ohne große Wirkung wegen der PEDv-Lage und des Ractopamin-Einsatzes.

(2) Russland importiert über 1 Mio. t Rindfleisch aus den großen Exportländern Südamerikas, Australien und anderen Ländern. Die EU-Ausfuhren sind 2013 auf knapp 75.000 t gefallen. Der Russlandanteil beträgt 16 % der EU-Rindfleischausfuhren. In den ersten 5 Monaten 2014 hat die russische Rindfleischeinfuhr aus der EU um + 64 % z. T als Ersatz für Schweinfleisch zugenommen. Die Streichung Australiens von der russischen Einfuhrliste wird durch chinesische Importsteigerungen an Rindfleisch von Australien kompensiert werden können.

(3) Russland gehört mit China und Japan zu den größten Importeuren von Milchprodukten. Vor allem Käse, Butter und MMP stehen vorne an. Der EU-Anteil beträgt bei einzelnen Produkten bis zu 33 % (Käse). Eine russische Importsperre könnte nach den jüngsten Preisrückgängen den aktuell beachtlich wachsenden EU-Markt zusätzlich unter Druck setzen. Inwieweit durch den jüngsten Melaminskandal in chinesischen Joghurtchargen eine erneute Importwelle von dort ausgelöst wird, ist noch nicht überschaubar. Deutsche Produkte genießen einen guten  Ruf in China.

(4) Trotz großer Produktionssteigerungen ist Russland auf den Import von Geflügelfleisch angewiesen. Aus den USA stammen rd. 200.000 t je Jahr bzw. 8 % der US-Ausfuhren. Die gegenwärtige (Rot)Fleischknappheit in den USA dürfte eine solche Menge durchaus verkraften. EU-Exporte nach Russland sind mit 100.000 t bzw 7 % von überschaubarer Bedeutung, zumal die Einfuhren der letzten Jahre nachgelassen haben.

Brasilien ist der große Hoffnungsträger für russische Rind-, Schweine- und Geflügelfleischeinfuhren. Bereits jetzt wurden an 5 brasilianischen Fleischlieferanten neue Importlizenzen vergeben, die in früheren Jahren wegen des Verdachts auf Maul- und Klauenseuche entzogen wurden. Allerdings reicht die Produktionskapazität Brasiliens nicht aus, den Einfuhrverlust auch nur annähernd auszugleichen.

Bleibt noch die Spekulation auf die großen russischen Getreideausfuhren. Wird Russland aus Gründen zunehmend notwendiger Eigenerzeugung weniger Exporte zulassen? Werden potenzielle Einfuhrländer infolge der politischen Unberechenbarkeit Russlands in Sachen Getreidehandel auf andere Ausfuhrländer ausweichen?  

Und dann ist da noch Argentinien: der Staatsbankrott verlangt nach einer neuen Finanzierung. Der argentinische Haushalt wurde in früheren Jahren bis zu 40 % aus den Exportsteuern auf Agrarprodukte finanziert. Argentinische Farmer haben sich mit einem Exportboykott bei steigenden Preisen dagegen gewehrt. In der aktuellen Situation fallender Agrarkurse versucht die Regierung mit Streichung von Exportlizenzen gegenzusteuern. Argentinien gehört zu den größten Exporteuren an Mais, Sojaprodukten und Weizen. Müssen die Handelsschätzungen für die nächsten Monat neu justiert werden?

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