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04.14
09:08

Teures Schweinefleisch in der Ukraine- eine Exportchance?

Ukrainische Schweinepreise um 40 % gestiegen

Ukrainische Erzeugerpreise für Lebendschweine sind in den letzten beiden Wochen um 40 % auf 1,60 €/kg LG  bzw. über 2 €/kg Schlachtgewicht gestiegen. Als Gründe nannte der ukrainische Agrarclub u. a. die ausgebliebenden Importe aufgrund der hohen Inflation beim Wechselkurs und der finanziellen Unsicherheit. Die fehlenden Einfuhren billiger Rohstoffware müssen jetzt im eigenen Land beschafft werden.

An anderer Stelle ist zu lesen, dass die Ukraine die brasilianischen Importe aus angeblich hygienischen Gründen kurzfristig gestoppt habe. Brasilien hat innerhalb von 3 Jahren seine Exporte in die Ukraine vervierfacht und dabei das Inlandspreisniveau unterboten. Noch im Jahre 2013 hat es einen ähnlichen vorübergehenden Importstopp gegeben.

Von Verbraucherseite wird den Schweineerzeugern eine Teilschuld für die hohen Verbraucherpreise zugeschoben. Diese hätten die Situation mit einer spekulativen Zurückhaltung beim Lebendangebot ausgenutzt.

Das Ostergeschäft 2014 hat sicher auch etwas zur Preiserhöhung beigetragen. Allerdings dürfte eine nachhaltig starke Erhöhung des Verbrauchs unwahrscheinlich sein, denn das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 210 Dollar. Damit kann man sich kein teures Fleisch auf Dauer leisten. Der ukrainische Agrarclub geht nicht davon aus, dass sich die gestiegenen Preise auf dem hohen Niveau werden halten können.

Im Schweinesektor hat es in jüngerer Zeit deutliche Steigerungen gegeben. Die Eigenerzeugung ist von 0,5 Mio. t im Jahre 2009 auf geschätzte 0,8 Mio. t für das Jahr 2014 gestiegen. Die Einfuhren zur Deckung des wachsenden Verbrauchs haben in der gleichen Zeitspanne von 0,18 auf  0,21 Mio. t  zugenommen. Die Lieferungen kamen 2013 mit kurzen Unterbrechungen zu mehr als 50 % aus dem fernen Brasilien.  Deutschland steuerte 15 bis 20 % zu den Importen bei. Auch Polen gehörte zu den kleinen Exporteuren in die Ukraine, ist aber jetzt wegen der AKP gesperrt.

Mehr als die Hälfte der ukrainischen Schweinefleischerzeugung findet noch in den Hinterhofhaltungen statt. Allerdings geht deren Anteil langsam zugunsten kommerzieller Großhaltungen zurück. Die 10 größten Schweinehaltungsunternehmen verfügen über Sauenbestände von mind. 4.000 bis zu 21.000 Tiere plus angeschlossener Mast sowie Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben in einem integrierten Verbundsystem. Staatliche Stützungsmaßnahmen waren mit verantwortlich für die jüngsten Umbau- und Erweiterungsbauten der Anlagen aus sowjetischer Zeit.

Der ukrainische Schweinefleischmarkt hat ein Wachstumspotenzial von 50 bis 70 % bis zum Jahre 2020, schätzt die Marktabteilung des Agrarclubs. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist in den letzten 5 bis 7 Jahren von 14,5 auf 18 kg gestiegen. In der Planung sind große Mast- und Schlachtanlagen im industriellen Maßstab. Die Rentabilität im Schweinefleischsektor wird großzügig zwischen 3 und 10 % veranschlagt.

Die augenblickliche Lage in der Ukraine wird die hochfliegenden Pläne angesichts der unsicheren politischen und finanziellen Verhältnisse vorerst stoppen.

Inwieweit die EU größere Exportchancen in Richtung Ukraine nutzen kann, ist angesichts der unzuverlässigen Finanzlage kritisch zu sehen. Möglicherweise kann die Politik über Hermes-Bürgschaften einen Beitrag leisten. Eine Reduzierung der Agrarzölle hat es bereits gegeben.

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