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07.15
12:39

Was wird aus Deutschlands Schweinehaltung?

Die Vergangenheit und  Zukunft der Schweinefleischerzeugung  

Krisenhafte Stimmungsphasen in einem Wirtschaftssektor sind hinreichender Anlaß, über deren Ursachen nachzudenken und möglicherweise Schlussfolgerungen für das zukünftige Handeln abzuleiten.

Für das Verständnis der Entwicklung im Schweinesektor  ist heute ein weltumfassender Denkansatz erforderlich. Die Zeiten europäischer Abkapselung vom sog. Weltmarkt gehören seit fast einem Jahrzehnt der Vergangenheit an. Der historische Werdegang stellt heraus, was sich grundlegend geändert hat.

In Deutschland wurde in den 80er und 90er Jahren  ein Selbstversorgungsgrad bei der Schweinefleischerzeugung von 80 bis 90 % erreicht. Mit der Jahrtausendwende begann ein zunehmender Anstieg der deutschen Schweinefleischerzeugung, während gleichzeitig der Inlandsverbrauch mehr oder weniger stagnierte. Mit dem Jahr 2006 wurde erstmals die 100 % Marke  überschritten. Ab dem Jahr 2010 bis heute stagniert jedoch die deutsche Schweinehaltung.

Der Anstieg der Schweineerzeugung in Deutschland wurde von mehren Faktoren getragen. Der größte Schub wurde durch die Osterweiterung im Jahre 2004 ausgelöst. Die wettbewerbsschwache Schweinehaltung in den MOEL und die steigende Kaufkraft der Konsumenten dort führten rasch zu einem steigenden Absatzpotenzial in diesem transportnahen Verbrauchsgebiet.

Der rasche Produktionsanstieg der Schweinefleischerzeugung wurde dadurch unterstützt, dass Ferkel aus den benachbarten Ländern Dänemark und Holland in steigendem Maß preiswert zur Verfügung gestellt wurden. Heute werden rd. 11 Mio. Ferkel bzw. 20 % importiert. Die Umstellung auf die produktivere Dan-Zucht überkompensierte trotz niedriger Ferkelpreise den Rückgang der Sauenhaltung in Deutschland. Die phasenweise attraktiv erscheinende Schweinemast wurde bei hohen Futterkosten ausgedeht. In Deutschland ist ein struktureller Ferkelmangel bzw. ein entsprechender Mastplatz-Überhang entstanden. Die Folge ist ein wesentlich engeres Schweine-Ferkelpreis-Verhältnis als es in früheren Jahrzehnten der Fall war.

Die steigenden Schweinefleischmengen wurden neben dem Binnenmarktabsatz in den mittel- und osteuropäischen Ländern sowie  Italien auch auf  Drittlandmärkten abgesetzt. Ein Schwerpunkt bildete Russland mit steigenden EU-Importen bis zu 750.000 t bzw rd, 35 % des EU-Exports vor der Importsperre im Febr. 2014.  Gegenüber den Nordamerikanern hatte die EU einen Wettbewerbsvorteil von rd. 0,30 €/kg. Für weniger wertvolle Teilstücke fand sich das Absatzgebiet China/Hongkong, allerdings nur mit Exportpreisen, die kaum über 1,30 €/ kg hinausgehen. Weitere Lieferungen nach Südkorea,  Philippinen u. andere asiatische Länder können nur in begrenzten Mengen verkauft werden.

Die russische Importsperre - ursprünglich aus seuchenhygienischen Gründen wegen AFP eingeführt, später zu politischen Gegensanktionen wegen der Ukraine-Krise erweitert -  wird mittlerweile mit fehlender Kaufkraft Russlands substantiell ergänzt.  Auf eine nicht absehbare Zeit scheint dieser Absatzweg weitgehend ersatzlos direeekt und indirekt verloren zu sein. Alternative Exportmöglichkeiten sind hinsichtlich der geringen Erlöse von weniger wertvollen Teilstücken kaum als vollwertiger Ersatz anzusehen. Werthaltige Frischprodukte vertragen sich nicht mit langen Transportwegen.  Ein leistungsstarker Schweinefleischmarkt  hängt in hohem Maße vom Frischfleischgeschäft ab.  

Die auf einen strukturell notwendigen Export ausgerichtete deutsche und europäische Schweinefleischerzeugung muss sich auf ein erheblich eingeschränktes Exportpotenzial  einstellen. Es fehlen schlicht ausreichend finanzkräftige Abnehmer rund um Europa. Angesichts des nicht mehr steigerungsfähigen Inlandsverbrauchs wird zukünftig eine entsprechende Rücksetzung des Produktionspotenzials erforderlich sein.

In früheren Jahrzehnten wurden unwirtschaftliche Schweinepreise auf die Ferkelpreise rücküberwälzt mit der Folge starker Einschränkungen der Sauenhaltung.  Diese Rücküberwälzung findet in jüngerer Zeit nicht in einem für die notwendige Sauenreduzierung hinreichenden Maße statt. Deutschlands Ferkeldefizit dämpft den Anpassungsprozess ebenso ab wie die steigenden Ferkelausfuhren aus Dänemark ein wachsendes Defizit in Polen und andere MOEL ausgleichen. Hollands Ferkelausfuhren stagnieren.

Dennoch zeigt das Ergebnis der Mai-15-Schweinezählung, dass die deutschen Sauen um 50.000 abgenommen haben. Das entspricht in weniger als einem Jahr eine Abnahme der verfügbaren Ferkel um 1 Mio. Stück bzw. rd -1,7 %. Die Dänen könnten für Teilausgleich sorgen.

Ein struktureller Anpassungsprozess ist für die nächsten Jahre absehbar. Eine Beschleunigung wird durch Verbraucher-, Tier- und Umweltschutzmaßnahmen  bewirkt, die von größeren Einheiten eher verkraftet werden als von kleinen Beständen.

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